Prenzlauer Berg, 2016

Dort, wo ich wohne, kann ich Stühle für 5.000 Euro kaufen, Chai Latte für 4,50. Sogar Kaffee, dessen Bohnen mehrmals in allen Richtungen die Blutbahn von Einhörnern passiert haben. True story. Ich bekomme hier Lebensmittel, die sind so frei von allem, die dürften gar nicht da sein. Ich könnte jeden Tag in einem anderen Etablissement Yoga machen, zenbuddhistische Bodenwischtechniken erlernen und mir anschließend nach fernöstlichen Riten ausschließlich den kleinen linken Zeh massieren lassen. Ich kann hier Jeans kaufen für 800 Euro. Wohnungen für 10.000. Pro Quadratmeter. Sie brauchen Equipment für die nächste Himalaya-Expedition? Erstbesteigung oder Fortgeschrittener? Ich bekomme hier alles, was der moderne Großstadtmensch braucht. Auch Goji-Beeren, die wohl, erzählt man sich, gegen alles helfen. Wirklich alles, diese kleinen verrückten Wunderdinger. Versteht mich nicht falsch. Das ist alles wunderschön. Ich bin sehr gern dort, wo ich wohne. Ich könnte hier, wenn ich wollte, sogar den Fernkoitus in Workshops erlernen, „Spüren ohne zu berühren“ mit Inge und Lars, stand kürzlich am – welche Symbolik – Laternenmast. Und ich kann unter Anleitung hogwarts-zertifizierter Selbstfindungsanleitungskursgeber zu mir selbst finden. Jeden Tag aufs Neue, immer wieder ich, ich, ich.

Was ich allerdings nicht finde, dort, wo ich wohne, ist ein Laden, der mir mal kurz einen Schlüssel nachmacht. Jemand ’nen Tipp?

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